
Benedikt Jager
„Das Badewasser roch nach Fisch wie alles hier in Norwegen“ – diarisches Schreiben während der deutschen Okkupation (1940-45)
Tore Renberg
Meilenstein in der Geschichte: Tore Renberg utforsker tysk historie
Abstract
Lukasz Jedrzejowski
Grammatik zum Anfassen: MetaTaal im Klassenzimmer
Abstract
Viele Lernende – insbesondere mit mehrsprachigem Hintergrund – haben Schwierigkeiten, grammatische Strukturen zu verstehen und korrekt anzuwenden. Gleichzeitig wird Grammatikunterricht häufig als abstrakt und wenig motivierend erlebt. Der Workshop stellt mit MetaTaal einen innovativen, multimodalen Ansatz vor, der grammatische Strukturen mithilfe von Farben, Formen und Bausteinen sichtbar und greifbar macht.
MetaTaal versteht sich als metasprachlicher Ansatz, der grammatische Regeln explizit vermittelt und dabei visuelle, motorische und kognitive Lernprozesse integriert. Studien zeigen, dass solche Interventionen die Produktion komplexerer Strukturen fördern und zu einer Reduktion grammatischer Fehler beitragen können (vgl. u. a. Zwitserlood et al. 2015 sowie Balthazar et al. 2020).
Im Workshop wird gezeigt, wie der Ansatz für den DaF-/DaZ-Unterricht adaptiert und insbesondere im Kontext mehrsprachiger Lerngruppen eingesetzt werden kann. Anhand konkreter Beispiele erarbeiten die Teilnehmenden Möglichkeiten, MetaTaal in ihren eigenen Unterricht zu integrieren und an unterschiedliche Lernvoraussetzungen anzupassen. Ziel des Workshops ist es, den Teilnehmenden einen wissenschaftlich fundierten und zugleich praxisnahen Zugang zu einem innovativen Grammatikunterricht zu vermitteln.
Bibliographie
Balthazar, Catherine H., Susan Ebbels & Rob Zwitserlood. 2020. Explicit grammatical intervention for development language disorder: Three approaches. Language, Speech, and Hearing Services in Schools 51(2): 226–246.
Zwitserlood, Rob, Frank Wijnen, Marjolijn van Weerdenburg & Ludo Verhoven. 2015. ‘MetaTaal’: Enhancing complex syntax in children with specific language impairment – a metalinguistic and multimodal approach. International Journal of Language & Communication Disorders 50(3): 273–297.
Bio
Łukasz Jędrzejowski studierte Germanistik und Linguistik an der Freien Universität Berlin und promovierte 2015 an der Universität Potsdam im Fach Linguistik. Von 2010 bis 2013 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS) in Berlin tätig. Anschließend arbeitete er als Dozent und Forscher an der Universität Potsdam (2013–2016) sowie als Postdoc und später Senior Lecturer an der Universität zu Köln (2016–2024), wo er insbesondere im Bereich Linguistik und Deutschdidaktik lehrte und forschte. Seit 2024 ist er an der Universität Agder tätig, zunächst als Associate Professor und seit 2025 als Professor für deutsche Sprache und Linguistik. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Syntax, Semantik und Grammatik, insbesondere an der Schnittstelle von Grammatiktheorie und Sprachvariation. Er ist Autor und Herausgeber von über 70 wissenschaftlichen Publikationen und hat mehr als 100 Vorträge auf internationalen Konferenzen und Workshops gehalten. Als Gastwissenschaftler war er u. a. in Oslo, Harvard, Toronto und Padua tätig. Im Bereich der Sprachdidaktik beschäftigt er sich insbesondere mit Grammatik im mehrsprachigen Klassenzimmer und der Förderung sprachlichen Bewusstseins. In diesem Zusammenhang hat er den MetaTaal-Ansatz weiterentwickelt und gemeinsam mit Studierenden in der Lehrerbildung erprobt. Das Modell wurde gezielt für den Einsatz im DaF-/DaZ-Unterricht adaptiert und in schulischen Kontexten mit mehrsprachigen Lernenden getestet, um grammatische Strukturen systematisch zugänglich zu machen und die Sprachproduktion zu verbessern.
Iryna Panchenko
KI trifft Landeskunde – interaktiv, reflektiert und praxisnah
Abstract
Die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) eröffnet neue Wege, Landeskundevermittlung lebendig und interaktiv zu gestalten. KI-gestützte Anwendungen ermöglichen simulierte interkulturelle Begegnungen und schaffen Lernräume, in denen kulturelle Normen, Kommunikationsstile und Wertvorstellungen erfahrbar und reflektierbar werden.
Darüber hinaus können KI-generierte Inhalte als Sprechimpulse für den interkulturellen Vergleich und die kritische Auseinandersetzung mit kulturellen Deutungsmustern eingesetzt werden.
Doch wie lässt sich dieses Potenzial nutzen, ohne kritische Reflexion zu vernachlässigen oder Klischees zu reproduzieren?
Ziel des Workshops ist es, praxisnah zu zeigen, wie Landeskunde durch den gezielten Einsatz KI-gestützter Anwendungen innovativ und didaktisch fundiert gestaltet werden kann.
In diesem Workshop werden Sie …
• KI-generierte Unterrichtsmaterialien zur Landeskunde aus der Lernendenperspektive ausprobieren und kritisch reflektieren;
• KI-gestützte Lernsettings für die Simulation interkultureller Kommunikation erkunden;
• präzise Prompts formulieren, um niveaugerechte und differenzierte Unterrichtsmaterialien zu generieren;
• eigene KI-gestützte Unterrichtsmaterialien (Bilder, Übungen, Videos, Hörtexte etc.) zur Förderung der interkulturellen Kompetenz entwickeln.
Ich freue mich sehr auf unseren Austausch!
Bio
Dr. Iryna Panchenko promovierte 2016 im Bereich Sprachpragmatik und unterrichtete über 15 Jahre Deutsch als Fremdsprache sowie Translationsdidaktik an der Nationalen Wassyl-Karasin-Universität in Charkiw (Ukraine).
Seit 2020 ist sie zertifizierte Prüferin, DLL-Trainerin und Fortbildnerin am Goethe-Institut Ukraine und hat in dieser Funktion mehr als 60 Fortbildungen durchgeführt. 2022 war Iryna Panchenko Sektionsleiterin und 2025 Vortragende auf der IDT.
Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Mediendidaktik und der Vermittlung diskursiver Landeskunde im DaF-Unterricht. In ihrer Fortbildungspraxis verbindet sie innovative digitale Werkzeuge mit aktuellen didaktischen Ansätzen, um Lehrende zu einem zeitgemäßen und reflektierten Unterricht zu inspirieren.
Benedikt Jager
„Das Badewasser roch nach Fisch wie alles hier in Norwegen“ – diarisches Schreiben während der deutschen Okkupation (1940-45)
Abstract
Solche merkwürdigen ‚Erkenntnisse‘ über Norwegen finden sich immer wieder in Tagebüchern, die während der deutschen Besatzung verfasst wurden. Während des zweiten Weltkrieges waren 350 000 deutsche Soldaten in Norwegen stationiert. Auf jeden zehnten Norweger kam also ein Soldat. Allerdings war die deutsche Präsenz im Land noch umfassender und mannigfaltiger. Im Kielwasser der Wehrmacht kamen weitere Akteure ins Land, die unterstützende Aufgaben übernahmen. Mit der Organisation Todt kamen Ingenieure und Facharbeiter ins Land, um den Ausbau der Versorgungslinien und der ‚Festung Norwegen‘ voranzutreiben. Das Deutsche Rote Kreuz entsandte Rote-Kreuz-Schwestern, die sich neben medizinischen Aufgaben auch der Betreuung der Truppen in den Soldatenheimen widmen sollten. Insgesamt war die Truppenbetreuung ein wichtiger Faktor, dem große Bedeutung beigemessen wurde. Theaterensembles, Orchester, Varietétruppen, Schriftsteller und sogar Universitätsprofessoren bereisten das Land, um den schlimmsten Feind der Deutschen in Norwegen zu bekämpfen – die Langeweile.
Der Vortrag baut auf unveröffentlichtem Quellenmaterial auf. Anhand der Tagebücher eines Ingenieurs der Organisation Todt, einer Truppenbetreuerin auf Vortragstournee und einer Roten-Kreuz-Schwester sollen Fragen zum Kriegsalltag, zum Verhältnis zur norwegischen Bevölkerung und (natürlich) zur Erfahrung der norwegischen Natur beleuchtet werden. Abgerundet werden diese Überlegungen mit einem Blick in ein intimes Tagebuch eines deutschen Offiziers, für den der Krieg anscheinend eine zweitrangige Angelegenheit war. Bei ihm hatte hingegen das Ringen der Geschlechter und die damit verbundenen Eroberungen erste Priorität.
Bio
Benedikt Jager ist Professor für nordische Literatur an der Universität in Stavanger. Einer seiner Forschungsschwerpunkte sind die norwegisch-deutschen Kulturbeziehungen, besonders die Publikation norwegischer Literatur in der DDR (Norsk litteratur bak muren, 2014). Zur Zeit arbeitet er zu deutschen Ego-Dokumenten während der Besatzung Norwegens, und zur deutschen Buchproduktion während des Zweiten Weltkriegs.



